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zum Schreiben dieses Newsletters wollte ich mich heute eigentlich mal wieder in ein Café setzen. Im Zuge meiner Big-Tech-Exit-Versuche habe ich mir nämlich vor ein paar Wochen einen alten linuxtauglichen Laptop gekauft. Mit dem habe ich nun eine gefühlte Akkuladung von drei Tagen und könnte mich entsprechend überall hinsetzen, ohne Steckdosen suchen zu müssen. Ein weltweites Problem kann aber auch mein neuer alter Laptop nicht beseitigen: die Musik in Cafés.
Denn hier, liebe Leserinnen und Leser, ist in den vergangenen Jahren etwas ins sogenannte Rutschen geraten. Ich würde behaupten: Während sich die Cafés in puncto Angebot und Einrichtung immer weiter verkünsteln, scheint die Musik diametral egaler geworden zu sein.
Ich habe mich schon an allen Ecken der Welt in Cafés gesetzt, das Problem bleibt immer das gleiche: Neue Läden bieten mittlerweile gerne Specialty Coffees an, probieren irgendwelche neuen Bohnen aus Indonesien oder dem Jemen aus. Die Betreiber können stundenlang darüber referieren, dass die italienische Kaffeekultur mit ihren schrecklich bitteren Röstungen ja absolut vorbei sei. Die Tassen sind handgefertigt aus Portugal, die Croissants kommen aus einem "Bakery Lab" (oder so ähnlich). Zusammengefasst: Alles in diesen Läden schreit einen regelrecht an, dass man hier auf Details achtet, dass maximale Distinktion herrscht, guter Geschmack über allem steht. Und dann läuft dort eine Lounge-Coverversion von "Smells Like Teen Spirit", bei der man fast schon froh sein kann, dass Kurt Cobain sie nicht mehr erleben muss.
Ich erwarte von Cafémenschen wirklich kein revolutionäres DJ-Set, keine Schallplatten, nicht einmal allzu innovativen Geschmack. Aber eigentlich müsste es heute leichter denn je sein, in Cafés halbwegs okaye Musik zu spielen, sofern man bereit ist, GEMA-Gebühren zu bezahlen: Alle Alben dieser Welt liegen auf den Streamingdiensten bereit. Wenn jemand nur einmal kurz nachdenken würde, welche Musik im Café wohl gerade jetzt passen könnte, wäre schon vieles gerettet.
Stattdessen besteht der Cafémusik-Standard aber meist aus besagten Horror-Loungeversionen oder nicht minder schlimmen House-Fistelstimmchen-Remixen von Klassikern, die jedem Hörer sofort den Tag verderben. Ich vermute, dass die Betreiber darin eine Art geschmacklichen Grundkonsens unter ihren Besuchern vermuten. Das Gegenteil ist der Fall. Hoffe ich zumindest.
Dann ist es mir fast lieber, wenn die jungen Mitarbeiter zumindest ihren eigenen Geschmack durch die Bluetooth-Boxen jagen. Neulich lief so zum Beispiel an einem Dienstagmorgen in einem Café im Münchner Glockenbachviertel ein Track von Brutalismus 3000, einem Post-Technoduo. Wenn Väter ihren Kita-Ablieferungs-Kaffee genießen und dazu die Sängerin bei 165 Beats pro Minute "WILLST DU DAS WIRKLICH ALLES ZIEH’N???" schreit, hat das ja schon fast wieder was. Zumindest für den Moment.
Auf Dauer wäre mir aber eine andere Lösung lieber, die neulich ein befreundeter Musiker vorgeschlagen hat: So lang die Betreiber nicht über ihre Musikauswahl nachdenken, brauchen wir ein Verbot. Keine Musik mehr in Cafés. Nie. Nirgends. Wem Musik egal ist, der soll auch keine laufen lassen. Die Einhaltung wird täglich kontrolliert von den jeweiligen Bezirksinspektionen. Ich bin gerne bereit mitzuhelfen.
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