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ich bin ehrlich gesagt heilfroh, dass ich erst in dieser Woche wieder zum Newsletter-Zug komme. In der vergangenen war mein Gehirn nur drei Minuten nach der kalten Dusche im Stande, überhaupt klare Gedanken fassen zu können. Mein Kopf fühlte sich matschig an, ich schlief schlecht, war latent aggressiv. Ihr könnt euch sicher denken warum, schließlich hatte die Hitze in ihrer dystopischen Allumfasstheit schon fast das Niveau eines Corona-Lockdowns. Und heute fragt sich mein Journalisten-Ich schon wieder, ob das Thema Hitzewelle nicht bereits ein gestriges ist, ob wir am Erscheinungstag dieses Newsletters nicht schon wieder über ganz andere Dinge reden werden. Bis ich las, dass die nächste Hitzewelle möglicherweise schon Mitte des Monats über uns hereinbricht.
Natürlich sind ein paar Tage schlechter Schlaf ein Witz gegen das, was etwa Menschen in nicht-klimatisierten deutschen Krankenhäusern, auf Baustellen oder in beengteren Wohnverhältnissen als meiner Dreizimmerwohnung aushalten mussten. Aber selbst in meiner verhältnismäßig privilegierten Lage musste ich beim Anblick des zubetonierten und brütend heißen Innenhofs an einen Satz des Kollegen Jonas Schaible denken, der anlässlich der Hitzewelle kürzlich schrieb: "Alles, was der Mensch geschaffen hat, hat er in einer Welt und für eine Welt geschaffen, die es nicht mehr gibt". Um hier mal den Bogen zum Überthema dieses Newsletters zu spannen: Ich glaube, das trifft auch auf sehr viele Orte zu, an denen Kultur stattfindet.
In der vergangenen Woche musste das Fusion-Festival in Lärz wegen Brandgefahr pausieren. Das für 250000 Besucher geplante Kessel-Festival bei Stuttgart (was für ein Name in diesem Kontext!) wurde am zweiten Tag gleich ganz abgebrochen. Und im nordrhein-westfälischen Haltern wurde das "Sunset Beach Festival" abgesagt, da man aufgrund der Temperaturen nicht für die Sicherheit der 30.000 geplanten Gäste garantieren konnte. Dazu kamen bundesweit dutzende Straßen- und Gemeindefeste, Freiluft-Konzerte, CSD-Umzüge und andere Demonstrationen, die vor den Temperaturen kapitulierten.
Diese Ausfälle lassen sich für Veranstalter, die bereits mit Förderungs-Kürzungen und höheren Kosten kalkulieren müssen, nur schwer ausgleichen. Jede Planung hat künftig etwas von einem Glücksspiel. Schließlich hätte das Klimakrisen-Extremwetter genauso gut in die andere Richtung kippen können, auch Starkregen und Stürme werden sich laut vieler Prognosen in den kommenden Jahren verstärken. Wer da zum Beispiel noch tausende latent dehydrierte Menschen auf einem Acker zelten lassen will, braucht Geld für die möglichen Ausfallkosten – oder eben ein teures Schatten-, Wasser- und Evakuierungskonzept. Und das haben natürlich, wenn überhaupt, eher die langweiligen Event-Großkonzerne.
Solange unsere Städte dabei auch noch so betonversiegelt bleiben, wie sie es sind, wird das öffentliche Leben ärmer werden. Den Luxus eines kühlen Miteinanders hat man dann nur noch in Shopping Malls oder in Büros. Und vielleicht noch an exklusiveren Kultur-Orten mit funktionierender Klimaanlage. Ich habe vor ein paar Jahren mal von einer Aktivistengruppe in Athen gehört, die in Eigenregie Flächen entsiegelt und Innenhöfe in kühle Gärten verwandelt. Wenn die zweite Hitzewelle kommt, hole ich mir vielleicht einen Presslufthammer.
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